Jeder kennt jeden – Social Software erleichtert die Kontaktpflege



Zu den meistgesuchten Begriffen des letzten Jahres im Internet gehört “Orkut”: 2.370.000 Treffer liefert eine Anfrage. Dahinter verbirgt sich eine Art digitaler Kontaktbörse, deren Mitgliedschaft auf Einladung erfolgt. Nach der Aufforderung zur Teilnahme, gibt es die Möglichkeit, umfangreiche persönliche Daten zu hinterlegen, so dass sich Gleichgesinnte finden können – ein Netzwerk entsteht. Bisher nutzen den von Google-Mitarbeitern entwickelten Dienst überwiegend Brasilianer – ca. acht Millionen im Vergleich zu nur 5.000 deutschen Nutzern. Hierzulande bekannter ist zum Beispiel Stayfriends.de, ein Portal mit dem erklärten Ziel, via Abschlussjahrgang ehemalige Schulfreunde zu finden. Eine Einladung ist dort nicht nötig, jeder kann seine Daten selbst hinterlegen.

Business as un-usual: Geschäftspartnersuche im Internet
Screenshot openBC Nicht nur Freundschaften können neu gefunden oder wieder entdeckt werden – auch für Geschäftspartner wird das Prinzip der sozialen Netzwerke in einer mobilen Gesellschaft interessant. Bestes Beispiel ist der im Oktober 2003 gegründete Open Business Club (OpenBC), der nach eigenen Angaben inzwischen bereits über 800.000 registrierte Nutzer zählt. Die Idee des Portals ist die digitale Umsetzung des Prinzips “jeder kennt jeden über sechs Ecken”, das der Harvard-Psychologe Stanley Milgram bereits 1967 proklamierte. Heute scheint es, als könne er richtig liegen. Jeder Nutzer gibt an, mit wem und wie er sonst in Verbindung steht – Rubriken dafür sind u.a. “Branche”, “derzeitige” und “bisherige Firma”, “Hochschulen” und “Organisationen”. So kann sich herausstellen, dass der Freund des Bekannten eines ehemaligen Kommilitonen idealer neuer Geschäftskollege wäre. Auf der Plattform gibt es bereits einen Bereich mit “Success Stories” eingerichtet, in dem über neu vermittelte Kunden oder Mitarbeiter berichtet wird. Finden kann man sich auch über die Rubriken “Ich suche” und “ich biete” sowie über die über 2000 Gruppen. Diese sind wiederum unterteilt in Bereiche wie “Politik und Gesellschaft”, “Alumni” oder “Freizeit und Sport”. Das Anlegen einer Gruppe in den einzelnen Foren bleibt den Usern überlassen.
Die neuen Kontaktbörsen entsprechen damit exakt der Philosophie des Web 2.0. – Partizipation schafft Mehrwert!

Missbrauch-Gefahr
Doch es gibt auch kritische Stimmen. So kann der Missbrauch der eigenen Kontakte in offenen Netzwerken nicht ausgeschlossen werden. Nicht gesagt ist außerdem, dass das Verhältnis zwischen Nutzern, die etwas anzubieten haben und denen, die etwas suchen, ausgewogen ist. Und auch wenn ein gewisser Vertrauensvorschuss durch den gemeinsamen Bekannten um sechs Ecken gegeben sein mag – reale Treffen können nicht ersetzt werden. Um die Weitergabe der eigenen Kontakte einzudämmen, hat LinkedIn, amerikanisches Pendant zu OpenBC, das Konzept modifiziert. So muss sich der Kontaktsuchende zunächst durch die Person, über die er den Kontakt gefunden hat, empfehlen lassen.

Der Netzwerkansatz in Gesellschaft und Politik
Die Idee des Netzwerkansatzes stößt inzwischen auch bei gesellschaftlichen Akteuren auf Interesse. Erst im November 2005 hat sich der Social Business Club (SocialBC) unter dem Motto “Business with responsibility” gegründet – sehr zum Ärger von OpenBC, dessen Betreiber aufgrund der Namensanlehnung eine Abmahnung schickten. Der Club möchte Social Networking, Online Marketing und Corporate Social Responsibility (CSR) zusammenführen. Vernetzt werden nicht nur internetaffine soziale Menschen, auf der Plattform sammeln die Nutzer auch Spenden, die sie per Abstimmung vergeben.
Keine Frage: Auch für politische Parteien bergen derartige Technologien Potenziale. Das gilt insbesondere für Mitglieder-Communities. Waren diese zumeist herkömmliche Login-Bereiche, mit speziellen Informationen und Downloads, so könnten sie künftig auch Vernetzungs- und Kontaktmöglichkeiten für die Mitglieder untereinander bieten. Allerdings gilt es die Ziele derartiger Netzwerk-Konzepte klar zu definieren: Geht es um eine etwas elaboriertere Suchfunktion oder soll die Meinungsbildung an der Basis angeregt werden – mit der Notwendigkeit für entsprechende Responsekanäle? Denkbar ist etwa auch, temporäre Communities speziell zu Wahlkampfzeiten oder zu bestimmten thematischen Anlässen zu bilden. Man darf gespannt sein, wie die politischen Parteien den Social Networking Gedanken im Internet umsetzen.

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