Campaiging 2010: Mobile Inhalte



Eine politische Nachricht für jeden Ort
Vieles spricht dafür, dass die Bedeutung mobiler Kommunikation in all seinen Facetten auch in Zukunft weiter steigen wird. Arbeiten, Unterhaltung, Bildung – auf mobilen Geräten, ortsunabhängig, jederzeit verfügbar. Wie wird die verstärkte Nutzung die politische Landschaft und den Umgang der Parteien mit ihren Mitgliedern und Wählern beeinflussen?

Kosten im Blick
Eine wichtige Determinante dürften die Kosten sein. Mobiles Zugreifen auf Daten ist (noch) mit wesentlich höheren Kosten verbunden als das Surfen im Internet. Dem Benutzer wird zumeist die Menge der übertragenen Daten abgerechnet. Inhalte werden sich daran orientieren müssen. Aufwendige Werbespots werden sich die Nutzer wohl eher im Internet und TV anschauen als auf ihren mobilen Endgeräten.
Inzwischen steht den Nutzern eine Fülle von Geräten zur Verfügung, mit denen sich Inhalte mobil abrufen lassen: Handies, Smartphones, Organizer, Pocket und Tablet – PCs und Laptops haben unterschiedlichste Darstellungsweisen und technische Spezifikationen – Standards für Inhalte müssen sich hier erst noch bilden.

mobiles Web
Erste Schritte in Richtung politischer Kommunikation ist die Darstellung von Webinhalten auf mobilen Geräten. Seiten werden so konzipiert, dass sie auch hier funktionieren. Kommunikationsanbieter werden Profile sammeln, Umfragen anbieten und weiter Kontakte verkaufen. Die Menschen werden die erweiterten Kommunikationsmöglichkeiten nutzen, z.B. kleine Geschichten und Comics verschicken. Politische Satire als Negative Campaigning wird populär.
Interessant hierbei erscheint auch das Verknüpfen von Ort und Information. Wo befindet sich das Gerät und welche Informationen erscheinen sinnvoll? So wie Stadtpläne und Veranstaltungshinweise mit dem Ort per GPS verknüpft werden, könnte dies auch für politische Informationen geschehen – „Der Wald in dem sie sich befinden, wurde aufgrund der Waldschutznovelle von 2005 geschützt. Sonst wäre er einem Immobilienprojekt zum Opfer gefallen“. Durch die Fähigkeit zur Interaktivität können so Meinungen und Trends besser erforscht werden. „Fühlen Sie sich durch den Anblick der Windkraftwerke im Norden gestört?“

Dialog
Sicher wird sich durch die mobile Nutzung die Bedeutung von Emails noch vergrößern. Die Menge der mobil verschickten Nachrichten wird steigen. Daher auch ihre Bedeutung für die politische Kommunikation – Email wird das wichtigste, plattformübergreifende Kommunikationsmedium der Parteien mit ihren Mitgliedern, den freiwilligen Unterstützerinnen und den Wählern. Das Verwalten und Generieren von Wählerprofilen, die gezielte Ansprache von Personen und Gruppen zu bestimmten Themen wird auch durch die zunehmende Mobilisierung der Kommunikation weiter an Bedeutung gewinnen.

Vor allen Dingen wird die mobile Kommunikation die Arbeit innerhalb von Organisationen beeinflussen, insbesondere in wissensintensiven Feldern. Arbeitsabläufe werden ortsunabhängig verknüpft, komplexe Informationen können schnell übertragen und multimedial dargestellt werden. Das Lernen wird sich weiter verändern, modularer und multimedialer werden. So wie der Ingenieur den Bauplan samt Diagnose auf seinem Gerät angezeigt bekommt, können politisch aktive Menschen noch mehr Kontakte pflegen und verwalten und sich nützliches Wissen schneller aneignen. Das Adressbuch befindet sich im mobilen Organizer und die Hauptkoordination der politischen Arbeit wird darüber erledigt werden. Entscheidungen können so schneller gefällt und mehr Menschen eingebunden werden.

Das zeitnahe Versorgen mit Information wird im politischen Kampf um Meinungen und Mehrheiten wichtig. Eine kurze Mitteilung an die Fraktion und alle kennen die beschlossene Linie. Genauso leicht wird sich natürlich auch der Widerstand organisieren lassen. Persönliche Kontakte und politisches Geschick werden mitnichten obsolet, sondern noch wichtiger.

Fazit
Der gesamte Demokratieprozess könnte sich durch mobile Geräte weiter verändern. So sind Diskussionsroutinen denkbar, die mit Hilfe mobiler Kommunikation Meinungsbildung kanalisieren. Abstimmungen werden so möglich, oben erwähnte Umfragen, ebenso Wahlen, wenn eine Authentifizierung möglich ist – hier wiederum tauchen Fragestellungen zum Datenschutz auf.
Ebenso wie für das Internet gilt: In der mobilen Kommunikation werden sich Standards anhand von technisch Möglichem und von den Benutzerinnen Erwünschtem bilden. In die alltägliche Arbeitsorganisation werden sie mit Sicherheit eingreifen. Ob sie ein Schritt in Richtung mehr Demokratie bedeuten können, bleibt abzuwarten.

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