Statistisches Gezwitscher
von: A&B FACE2NET | 3. Juni 2007 | Kategorie: face2blog
Mit dem Web 2.0 und den nahezu uneingeschränkten Freiheiten, die es in Punkto Gestaltung und Publizieren bietet, hat auch eine Art von allgemeinem, sportiven Zwang Einzug gehalten, mit Tools und Codeschnipseln alles zu messen, was messbar zu sein scheint. Wer kommt wann, mit welcher Geschwindigkeit auf mein Blog? Wie lange bleibt er? Woher kommt er? Wohin mag er nur gehen? Fragen über Fragen, denen man heute mit Logfiles, Countern, Umfragewidgets, Technorati, Blogscout, Blogcounter, etc. auf die Spur zu kommen versucht.
Fast scheint es so, als ob die entfachte Liebe der Menschen zur Redseligkeit auch vor der scheinbar so trockenen Zahlenwelt nicht (mehr) halt macht.
Auch für den derzeit in einigen Kreisen, beliebtesten Kommunikationskanal, Twitter, dem ach so lustigen Internetgezwitscher (”was machst Du gerade in 140 Zeichen”) gibt es ein kleines webzweinulliges Analysetool, dass der langen Tradition deskriptiver Statistik folgend, die absoluten Häufigkeiten der verwendeten Wörter anzeigt. Ein nette Applikation, die dem schlanken Format von Twitter angemessen ist und mit der richtigen Fragestellung sicherlich auch zu dem ein oder anderem schnellen Überblick zu gebrauchen ist, etwa um zu prüfen ob und wenn ja wie häufig der eigene Produkt- oder Markenname auf Twitter genannt wird.
Für alle weiteren Fragen, die sich für Unternehmen aus einer Thematisierung in einem User-Generated-Content Kanal ergeben, empfehlen sich weitergehende Monitoring- und Analyseschritte, die es erlauben, qualitative Schlussfolgerungen zu ziehen. Beispielsweise, ob mittlerweile über Twitter, arbeits- und/ oder gesellschaftsrelevante Informationen verbreitet werden oder die unterstellte Belanglosigkeit des Katzencontents vorherrscht. Dass die Antworten darauf aus der VolumeTweet-Tabelle abzuleiten sind, muss auch von jemandem, der nicht unter der Gaußschen Normalverteilung geboren wurde, angezweifelt werden.
Obige Grafik könnte genauso plausibel wie sie hier als Nachweis dafür verwendet wird, dass es auf Twitter allmählich immer seriöser zugeht, auch als Interpretationsgrundlage herangezogen werden, dass vorwiegend wie folgt gezwitschert wird:
“There is rain outside and I hate my job. I stay at home today. My wife is at work, kids at school. Time to surf the net for Twitter Feeds.” (138 Zeichen)
Wie heisst es doch so schön in der neuen Werbung für den Pro7 Mystery-Abend? Am Ende der Angst kommt die Verzweiflung – und am Ende der Datensammlung deren Interpretation!


