Freitags nie
von: A&B FACE2NET | 19. September 2007 | Kategorie: face2blog
“Pling” ertönt es blechern aus dem Rechner und gleich darauf versperrt Ihnen ein kleines Popup die Sicht auf den Text, den Sie gerade voller Konzentration formulieren: “Sie haben eine neue Mail-Nachricht erhalten”. Wie entscheiden Sie sich? Klicken Sie das Fensterchen energisch beiseite und folgen weiter Ihrem Gedankengang? Oder öffnen Sie die Mail – getreu dem Motto “eine kleine Unterbrechung kann ja nicht schaden” , um dann einige E-Mails später überlegen zu müssen, womit sie zuvor eigentlich beschäftigt waren? Wie oft am Tag machen Sie das? E-Mails, so praktisch sie sein mögen, sie können auch zur Hölle werden.
Der Tagesspiegel berichtet heute von Jay Ellison, Vizepräsident der amerikanischen Firma US Cellular, der vor drei Jahren ein E-Mail-Verbot für Freitage verkündete. Damals erhielt er durchschnittlich 300 Mails, heute nur noch 150 pro Tag. Nicht schlecht! Das reizt zu Experimenten!
Falls Sie nicht Vizepräsident oder Vizepräsidentin sind und um nicht gleich ganz so radikal zu sein, könnten Sie, sagen wir mal, jede fünfte E-Mail persönlich, mit einem kleinen Kurzbesuch beim Kollegen nebenan beantworten. Ist doch viel persönlicher, viel netter. Könnte allerdings die „Sitzungskultur“ maßgeblich beeinflussen. Wenn Sie wiederholt beim Kollegen vor dem Schreibtisch rumlungern und warten, bis er sein Telefonat beendet hat und Sie ihn endlich ansprechen dürfen, wird er versuchen, diese Besuche zu bündeln und sie irgendwann (entnervt) zu einer Besprechung einladen. An der sollten dann auch Frau Dietrich teilnehmen, Herr Paulssen und die Praktikantin, ach ja, und Frau Hesel müsste wohl auch dazu – all die CCs, klar. Die BCC- Kollegen lässt er vermutlich großzügig unter den Tisch fallen.
Prima, Sie alle sehen sich jetzt viel öfter als früher und wo Sie gerade so beisammen sitzen, könnten Sie doch auch gleich noch über das letzte Paper und den bevorstehenden Pitch und dieses und jenes sprechen. Oder doch lieber auf die Nachmittags- oder Spätnachmittagssitzung verschieben?
Der nächste Schritt, so dämmert es Ihnen womöglich, wäre neben einem konsequenten E-Mail-freien Tag auch ein sitzungsfreier Tag pro Woche. Schließlich kann man ja auch telefonieren …
