Werben im Web 2.0



Computeranwender denken hierarchisch: Desktop, Ordner, Unterordner, Dateien, Bilder etc. Eine wohlgeordnete, vertikale Welt, die jedem Element einen festen Platz zuweist. Jeder Nutzer kennt auch die Kehrseite: Das Wiederauffinden ist zwingend an Name oder Speicherort gebunden. Gerade dann, wenn in neuen Zusammenhängen auf die Daten zugegriffen werden soll, erweist sich dieses System als einigermaßen widerspenstig. Im Netz wird seit einiger Zeit ein ganz neues Schema populär: Das Taggen von Informationen.

Das Prinzip: Daten werden verschlagwortet – Etikettieren statt Hierarchisieren, lautet die Parole. Im Ergebnis entstehen kollektive Tagclouds, die den Nutzern den Weg zu einer Vielzahl von Seiten und Dateien weisen und gleichzeitig einen visuellen Eindruck davon vermitteln, welche Themen im Netz von Bedeutung sind. Erfolgreich wird dieses Prinzip bereits von einer Vielzahl von Online-Dienstleistern (flickr, technorati etc.) eingesetzt und immer mehr User nutzen die Möglichkeiten des Social-Bookmark-Service del.icio.us, ihre Links online zu organisieren und anderen Nutzern zur Verfügung zu stellen. Seit März dieses Jahres (Interview mit Geschäftsführer Kai Tietjen beim PR-Blogger) gibt es auch einen deutschen Service: Mister Wong.

Interessant ist diese Entwicklung auch für werbende Unternehmen. Mit steigender Nutzerzahl könnte die werbliche Besetzung von Begriffen, das „Tagvertising“, zu einer echten Ergänzung der „AdWords“ werden.
Das Interesse an den Kommunikations- und Werbemöglichkeiten mit Web 2.0 Applikationen und in User-Generated-Content hält an und zieht dank einer Video-castenden Bundeskanzlerin auch hierzulande weitere Kreise.

Dass Werbung in Mikromedien bereits jetzt erfolgreich funktionieren kann, beweist seit einiger Zeit der weltweit wohl bekannteste Videocast Rocketboom.com. Und auch in Deutschland könnte von der Kooperation von Ehrensenf mit Spiegel Online eine positive Signalwirkung ausgehen. Zudem zeigen jüngste Untersuchungen eine deutlich wachsende Akzeptanz der Nutzer gegenüber werblichen Maßnahmen im User-Generated-Content. Hier entwickelt sich nach und nach ein interessantes Werbeumfeld. Allerdings: Die klassischen Formen stoßen, gelinde gesprochen, auf wenig Gegenliebe. Hörfunkspots in Podcasts? Nein Danke! Hier sind neue Wege der Vermarktung und Kommunikation gefragt.

Auch in der neuen Ausgabe von markentrends.online geht es um Marketing und Marktchancen im Web 2.0. Tagvertising, Werben in Mikromedien und die berühmt berüchtigten „Betas“, wie aktuell Yahoos „Clever“, stehen dabei im Mittelpunkt.

Kommentar schreiben

Die mit * gekennzeichneten Felder sind Pflichtfelder.