Video-Blogs
von: A&B FACE2NET | 15. September 2005 | Kategorie: markentrends online
Online-Kommunikation in bewegten Bildern
Egal ob Privates oder Öffentliches, Politik oder Wirtschaft, Trash oder Kultur: Kaum ein Thema, das nicht „bloggenswert“ erscheint. Im Netz wird mittlerweile auch filmisch Tagebuch geführt: Video-Blogger bereichern mit subversivem Charme und technischem Know-how die Szene und lassen einiges erwarten.
Mit filmischen Mitteln kommentieren sie das tagesaktuelle Geschehen und nutzen, ganz wie ihre schreibenden Blogger-Kollegen, das Internet zur freien Meinungsäußerung. In den gängigen Netzformaten (.mov .mpg .avi & co.) wird der Internetgemeinde Selbstgedrehtes zum Download angeboten oder als Internetstream präsentiert. Das charakteristische Blogger-Prinzip bleibt dabei erhalten, neu ist die gestalterische Freiheit: Pixelclips frisch aus dem Fotohandy oder ambitionierter Independent-Kurzfilm, „Vlogen“, so nennt sich die Arbeit am Video-Blog, kreiert neue Bilderwelten im Netz. Über 200 regelmäßig besuchte Video-Blogs gibt es mittlerweile und erste Blogs genießen bereits Kultstatus: Das Video-Blog „Rocketboom.com“ etwa. Vier New Yorker produzieren hier tägliche Clips im Tagesschaustil – mit Humor und einer Portion Sarkasmus. Für Schlagzeilen hat in den letzten Wochen auch ein Projekt gesorgt, welches maßgeblich vom ehemaligen amerikanischen Vize-Präsidenten Al Gore initiiert wurde. Mit „Current.tv“ ist seit August ein neues News-Format off- und online auf Sendung. Die Mischung aus Podcasting und Video-Blog will die Zuschauer aktiv in die Produktion der Beiträge einbeziehen.
Unternehmen im Visier der Vloger
Auch Unternehmen werden in Zukunft die Video-Blogs als relevante Öffentlichkeit in ihrer Kommunikationsarbeit berücksichtigen müssen. Filmberichte oder alternative Werbespots werden als Beitrag der Video-Blogger-Community die kritischen oder würdigenden Texte zu Produkten und Unternehmen ergänzen. Es wird gefilmt, was gefällt – oder eben auch nicht. Die ersten V-Blogs zum Thema finden sich bereits im Netz: „Rocketboom.com“ hat sich ausführlich mit den Vorzügen des Volvo beschäftigt und andernorts wird übers Einkaufen bei IKEA „gevlogt“. Bezeichnend auch: Zwei der ersten Video-Blogs, die es geschafft haben, eine breitere Öffentlichkeit zu erreichen, nahmen auf äußerst gegensätzliche Weise ein Unternehmen ins Visier. George Masters schuf mit seinem „iPod-Tribute-Ad“ eine Liebeserklärung an Apples iPod. Den Clip, der in seiner professionellen Umsetzung kommerziellen Spots ebenbürtig ist, haben inzwischen über 50.000 Surfer auf ihren Rechner geladen. Die Neistat-Brothers wiederum gaben den „Advocatus Diabolus“. Fast zwei Millionen Besucher ihrer Seite waren bisher beim Versuch Zeuge, eine Ersatzbatterie für den iPod-Mini via Apple-Store zu organisieren. Sie durften dann auch die Konsequenzen bestaunen: eine ausgewachsene Guerilla-Marketing-Aktion mit Spraydose und Hip-Hop Beats!
Erneut verändern sich also die Rahmenbedingungen der Marken- und Produktkommunikation in der Netzwelt: Unternehmen dürfen sich auf flankierende Open-Source-Marketing-Beiträge freuen und müssen Guerilla-Maßnahmen kommunikativ entgegenarbeiten. Denn: Video-Blogs haben enormes virales Wirkungspotenzial. Und dass heißt auch, dass juristische Maßnahmen gegen unliebsame Spots aller Wahrscheinlichkeit nach ins Leere laufen. Diese Clips würden dann, befeuert durch ein drohendes Verbot, heiß begehrt über Peer-to-Peer Netzwerke verbreitet werden.
Herausforderung für die Online-Kommunikation
In Deutschland sind derzeit ca. 150.000 Text- und Bildblogs online. Bis zum Jahresende werden es, so Expertenschätzungen, weit über 200.000 sein, plus eine nicht abzuschätzende Zahl an Video-Blogs. Blogger-Relationship-Management, kontinuierliches Monitoring der Blogwelt und eigene Kommunikationsangebote werden zu unverzichtbaren Tools der Online-Kommunikation. Blogs werden zum relevanten Bezugssystem im Agenda-Setting Prozess der Netzkommunikation und Blogger müssen als kampagnenfähige Multiplikatoren berücksichtigt werden. Gerade die emotionale Wirkung der Video-Blogs kann ein nachhaltiges positives Online-Image von Unternehmen bewirken oder schlimmsten Falles mit massenhaften „Elchtests“ im Netz polarisieren. Proaktives Unternehmenshandeln ist gefragt: Relevante Blogs und Beiträge müssen identifiziert und regelmäßig evaluiert werden. Nur so kann die Unternehmenskommunikation frühzeitig auf mögliche Krisen reagieren. Darüber hinaus empfiehlt sich der kontinuierliche Austausch mit der Szene: mit eigenen Beiträgen in Blogs, die auf interessante Produkte und Entwicklungen hinweisen, oder mit der Einrichtung eines Corporate-Blogs. Entscheidend ist hierbei, dass das Blog zum Unternehmen passt und in geeigneter Form die Unternehmenskultur widerspiegelt. Als Gegenstand des „Vlogens“, so zeigt der erste Blick auf die junge Szene, eigenen sich vor allem Produkte und Angebote, die eine hohes Maß an emotionalem Involvement der Kunden aufweisen. Auch Serviceleistungen und Produkte mit „Erlebnisfaktor“ lassen sich in bewegten Bildern oftmals interessanter und eindringlicher kommunizieren.
Fazit
Mit dem Video-Blog hat die Szene interessanten Zuwachs bekommen. Vermutlich werden sich Videoblogs nicht im selben Tempo ausbreiten wie die schriftlich verfassten Webtagebücher, denn die Anforderungen sind mit dem neuen Format gewachsen: Mehr Zeit und filmisches Know-how sind notwendig, um regelmäßig im Netz zu publizieren. Das bedeutet anderseits, dass sich vor allem ambitionierte Projekte einen Platz sichern werden und umso einflussreicher die Netzöffentlichkeit bestimmen könnten. Denn eines zeigt sich bereits jetzt: Video-Blogs sind nicht Nachbars Rache auf die Absage des Urlaubsvideo-Abends, sondern eine neue wirksame Form der Online-Kommunikation.

[...] Statt Banner satt interaktive Unterhaltung Aber nicht nur die höheren Clickraten, welche sich mit Rich-Media-Bannern und Videostreams erzielen lassen oder die Tatsache, dass sich mittlerweile ein Massenpublikum über Online-Spots erreichen lässt, machen Online-Videos zum interessanten Werbemittel. Es ist vor allem die Schnittmenge der wichtigsten Entwicklungen, die sich im Video-Format zusammenfinden und Interesse weckt. Egal ob virales Campaigning, interaktive Werbung, Image- oder Brandingkampagnen, überall ist der Trend zum bewegten Bild offensichtlich. Auch eine Brücke zum Thema „user-generated–content“ lässt sich schlagen. Denn auch die Nutzer selbst „schauen nicht nur verstärkt Online“ sondern stellen Videoblogs ins Netz oder tauschen eifrig eigenproduzierte Videofiles. Hier ergeben sich Potenziale und Chancen, die User selbst in ein Konzept von Branded Entertainment einzubeziehen, und über interaktive Unternehmensangebote in Kampagnen zu integrieren. [...]
[...] Fazit Videocasts und die Anwendung in der Unternehmenskommunikation stecken noch mehr in den Kinderschuhen, als Corporate Blogs. Unternehmen fangen erst an mit dem Format zu experimentieren und haben bisher kaum den Sprung gewagt, sich zu öffnen und so das volle Potential durch die Feedback- / Kommentar-Funktion noch nicht voll ausgeschöpft. Eine neue Herausforderung für das Issue Management stellen Videocasts von Privatpersonen doch schon derzeit dar, da diese in relativ kurzer Zeit relativ stark verbreitet werden können und so dem Ruf noch Unternehmen schaden können. Weitere Beiträge über Corporate Videocasts bei Marke-X, Face2Blog und PR-Blogger. [...]