Joost – Fernsehen der Zukunft oder Zukunft des Fernsehens?



JoostMan muss kein Prophet sein, um den Erfolg von Joost vorauszusehen. Für Fernsehen ist Joost, was Skype für Telefon und Kazaa für die Musikindustrie war: eine Revolution. Und die Sender fürchten sich vor dem interaktiven Peer-to-peer Internet TV (P2P IPTV) weit mehr als vor YouTube und Co.

Joost – noch ist es in der geschlossenen Betaphase, nur mit Einladung bekommt man es zu Gesicht. Und doch ist Joost eines der meistgesuchten Wörter in den Suchmaschinen. Joost ist das Internetfernsehen der Zukunft, in brillianter Qualität, zeitunabhängig, interaktiv und mit globaler Reichweite.
Die Qualität der Bilder ist verblüffend – keine Artefakte, kein Ruckeln, fast DVD-scharfe Bilder, ein satter Sound, Joost läuft auch auf Handhelds und Handys, hat Pause-, Play-, Vor- und Rückspulbuttons, eine theoretisch unbegrenzte Anzahl von Kanälen, Social Networking Funktionen mit Empfehlungen von Freunden, Chats u.v.m.

„Wir nahmen das Beste von TV und Internet und packten es zusammen“, sagt Joost-Gründer Janus Friis im Interview mit Wired. Das Geheimnis für eine derart gute Übertragung von TV-Bildern auf den heimischen Laptop liegt in der proprietären P2P-Technologie, die einst schon Kazaa und Skype zum laufen brachte. Hier wird jeder angeschlossene Computer zum Server und überträgt kleinste Einheiten ins Netzwerk, während er sich für das eigene Bild die Teile aus dem weltweiten Joost-Netz zusammensucht. Je mehr User angeschlossen sind, umso effizienter läuft das Übertragen der einzelnen Kanäle. Ganz im Gegensatz zur serverbasierten Variante von YouTube oder iTunes, wo alles von einem Server direkt zu den einzelnen Nutzern übertragen wird. Denn dabei steigen mit den Nutzerzahlen auch die Kosten für Server und die Traffic.

Kein User Generated Content, Werbung als Geschäftsmodell
Joost setzt von vorneherein auf die Zusammenarbeit mit Contentbesitzern, das Geschäftsmodell ist zielgruppengenaue Werbung. Eine Verschlüsselung ist eingebaut, die es verhindert, Sendungen aufzuzeichnen oder zu kopieren. Contentbesitzer können eigene Channels bauen und für die Werbung gilt: Qualität statt Quantität, ab und zu läuft ein einziger Spot. Auch wenn die Joost-Nutzer nichts zu ihren persönlichen Hintergründen preisgeben, lässt sich Werbung z.B. auf einzelne Regionen, Sehgewohnheiten, Uhrzeiten und Kanäle herunterbrechen, z.B. alle Desperate Housewives Zuschauer in einem bestimmten Postleitzahlengebiet. Joost arbeitet an einer eigenen Ad-Engine, mit der Werbetreibende selbst Werbung in das Netzwerk einspielen und festlegen können, wer ihren Spot zu sehen kriegt.

TV-Stationen und Filmstudios bekommen so die Möglichkeit, ihre Inhalte über neue Kanäle zu vermarkten. Hier wird der schon einmal beschriebene Long Tail Gedanke entscheidend sein: Alte Filme und Serien, spezielle Dokumentationen, Sportereignisse, etc. – in einem globalen Publikum wird sich immer jemand finden, der sich dafür interessiert, erst recht, wenn damit keine Kosten verbunden sind. Joosts Stärke liegt neben der Technologie in der Nische, die sie einfach und für ein weltweites Publikum besetzen können.

Zur Zeit finden sich Kanäle mit Musikvideos, Dokumentationen vom National Geographic, Cartoon-Serien oder Kurzfilme – die Verhandlungen mit den großen Inhaltebesitzern laufen aber und ständig werden neue Kanäle hinzugefügt.

Fazit
Es werden sicher noch einige Jahre vergehen, bis Joost den Einfluss auf die Medienlandschaft hat, den es potentiell haben kann. Viele andere Mitspieler versuchen sich ebenfalls auf dem Markt für IPTV: Telekommunikationsgesellschaften, TV-Stationen oder Filmstudios. Joosts Vorteil ist die überlegene P2P-Technologie und die frühzeitig eingeleitete Verbindungen zur Content-Industrie. Es ist anzunehmen, das auf Joost bis auf weiteres vor allem Nischenprodukte und alter Content zu sehen sein wird – diese Nische aber wird für Joost zur Chance. Schwer zu prognostizieren ist, wie sich in derselben Zeit das traditionelle Fernsehen entwickeln wird. Spannend wird es auf jeden Fall.

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